Am 19. Januar 1899 wurde Gerhard Reisch in Grünberg in Schlesien als jüngstes Kind unter vier Geschwistern geboren. Seine Eltern besaßen außerhalb der Stadt eine Mühle, und so wuchs er inmitten behüteter Natur auf.

Als Kriegsteilnehmer (1917) hatte er ein tiefgreifendes inneres Erlebnis, das ihm einen entscheidenden und richtungweisenden Anstoß zum Erforschen tiefster Lebensfragen gab.

1919 schloß Gerhard Reisch eine Lehrerausbildung ab. Durch die Inflation völlig verarmt ging er – seinen künstlerischen Impulsen folgend – 1921 mit Entschlossenheit zur Kunstakademie nach Breslau. Die derzeitigen ungünstigen äußeren Verhältnisse konnten jedoch nie seinen innersten Drang nach Erkenntnis beeinflussen.
So fand er als Schüler Rudolf Steiners seinen Weg in die Anthroposophie.

1932 baute er auf Anraten seines Mentors, Kurt Walther, in Grünberg ein kleines Haus am Waldrand, das zum geistigen Mittelpunkt für viele Freunde wurde. Ausstellungsreisen nach Holland und verschiedenen Städten Deutschlands schufen eine Lebensgrundlage.

1945 Vertreibung aus Schlesien, Vernichtung seines damaligen Lebenswerkes, Verschleppung nach Rußland. Er widersetzte sich nicht seinem Schicksal, sondern ging den "unbequemen, steilen Weg", der ihn immer weiter in die geistigen Welten führte. Er überstand trotz geschwächter Körperlichkeit schwerste Strapazen.

1947 mühsamer Wiederbeginn in Berlin. 1960 Ruf nach Freiburg von Freunden. Es wuchs das Lebenswerk zu schönster Vollendung. Unerkannt, in Stille und Bescheidenheit, verehrt von vielen Freunden, die Menschen liebend und um sie leidend, nur auf den Christus schauend, ging Gerhard Reisch am 11. Februar 1975 in die geistige Welt.

Er hat seine Bilder nicht als Kunstwerke angesehen. Vielmehr waren sie für ihn eigene meditative Erfahrungen. Der Betrachter hat die Möglichkeit, in sich Imaginationen zu erwecken, die ihn dann zu Wahrnehmungen und tieferem Wissen über die geistige Welt führen können. Dies betrachtet Gerhard Reisch als einen Weg, mit seinen Bildern und Spruchworten umzugehen.

Ein Wort von Rudolf Steiner: Der Künstler ist erst frei, wenn er die Formen und Ideen zu seinen Werken aus der geistigen Welt erhält. - Das Schaffen eines Kunstwerkes vollendet sich in der Begegnung zwischen Betrachter und dem Werk des Künstlers.

AnneGret Reisch